ErkundenAugust 2026
Amsterdam mit Kindern: ein echter Familien-Reiseplan, der Jetlag und Trotzanfälle überlebt
Keiner hat euch gewarnt, dass Amsterdam mit Kindern richtig großartig ist. Alle reden über die Grachten, die Coffeeshops, die Kunst. Aber die Stadt ist außerdem flach, kompakt, unverschämt fahrradfreundlich und voller Mitmach-Museen, die eine Siebenjährige mehr fesseln als jeder Bildschirm. Der Haken? Ihr reist aus den USA an, eure Kinder halten 3 Uhr morgens für eine völlig vernünftige Aufstehzeit, und irgendwer hat seinen Lieblingssnack schon vor der Passkontrolle verloren. Wir kennen das. Hier kommt ein echter Reiseplan – Preise, Trotzanfälle und alles dazwischen.
Anreise: vom Flughafen Schiphol in die Stadt
Schiphol ist für Familien einer der entspanntesten Flughäfen Europas. Die Ankunftshalle bleibt überschaubar, Aufzüge gibt es überall, und die Beschilderung ist auch auf Englisch eindeutig.
Mit dem Zug: Die schnellste und günstigste Option. Direkte Züge von Schiphol nach Amsterdam Centraal fahren alle 10–15 Minuten und brauchen rund 17 Minuten. Ein Ticket kostet 4,90 € (ca. 5,50 $) pro Person für die einfache Fahrt, Kinder unter 4 Jahren fahren kostenlos. Tickets bekommt ihr an den gelben NS-Automaten in der Ankunftshalle oder vorab online.
Mit Taxi oder Fahrdienst: Bequem, aber teuer. Rechnet mit 55–65 € (ca. 62–73 $) für ein Taxi von Schiphol ins Stadtzentrum – das ist der Festpreis für diese Zone. Lohnt sich, wenn ihr sehr spät mit erschöpften Kindern und einem Berg Gepäck ankommt – sonst ist der Zug eine wirklich einfache und unterhaltsame Einführung in den niederländischen Nahverkehr.
Profi-Tipp: Wenn ihr drei Nächte oder länger bleibt, holt euch am Flughafen ein Mehrtagesticket der GVB. Ein 72-Stunden-Ticket kostet 21,50 € (24 $) pro Erwachsenem, ein 120-Stunden-Ticket (5 Tage) 34,00 € (38 $). Kinder unter 4 fahren gratis; für 4- bis 11-Jährige zeigt der GVB-Automat die ermäßigten Kindertarife.
Wo ihr übernachtet
Amsterdam kann keine billigen Hotels, aber gute – zum Beispiel The Social Hub, mit zwei Häusern in der Stadt: Amsterdam City (an der lebendigen Wibautstraat) und Amsterdam West. Beide sind gut angebunden, gesellig und für Familien wirklich komfortabel. Zum Vergleich: Familienfreundliche Mittelklassehotels in Amsterdam kosten meist 130–220 € (146–246 $) pro Nacht für ein Zimmer für vier Personen, günstigere Optionen starten bei etwa 90–110 € (101–123 $).
Tag eins: Jetlag abschütteln
Widersteht dem Drang, ehrgeizige Museen und lange Spaziergänge einzuplanen. Eure Kinder laufen auf den Resten der Flugzeugsnacks, 2 Stunden echtem Schlaf und Ostküstenzeit. Und ehrlich: ihr auch.
Vormittag: der Vondelpark
Fangt langsam an. Ab in den Vondelpark – Amsterdams größten Park und einen der besten kostenlosen Orte der Stadt. Es gibt Sandkästen, Klettergerüste, ein Planschbecken (im Sommer) und genug Platz, damit die Kinder herumtoben können, während die Erwachsenen exzellenten Kaffee aus einem der Parkcafés trinken. Der Eintritt ist frei.
Nachmittag: NEMO Science Museum
Wenn alle bereit für etwas Struktur sind, ist NEMO dran. Es ist das riesige grüne Kupfergebäude, das beim Hauptbahnhof aus dem Wasser zu steigen scheint – ihr könnt es nicht verfehlen. Fünf Etagen voller Experimente zum Anfassen, dazu eine Dachterrasse (frei zugänglich, auch ohne Museumsticket) mit Blick über die Stadt.
Tickets kosten 21,50 € (ca. 24 $) für alle ab 4 Jahren. Kinder unter 4 kommen kostenlos rein. Günstig ist das nicht, aber eine Familie verbringt hier locker vier oder fünf Stunden – oder länger, sobald eure Kinder die Wasserexperimente im obersten Stock entdecken. Und das werden sie.
Geld sparen: NEMO ist in der I Amsterdam City Card enthalten (Erwachsene: 67 € (75 $) für 24 Stunden, bis zu 140 € (157 $) für fünf Tage; Kinder von 4 bis 17 Jahren: 40 € (45 $) für 24 Stunden, bis zu 84 € (94 $) für fünf Tage). Wenn ihr zwei oder mehr große Attraktionen an einem Tag plant, rechnet sich die Karte.
Abend: haltet es einfach
Versucht auf gar keinen Fall, am ersten Abend einen Tisch im angesagtesten Restaurant zu reservieren. Sucht euch einen Laden im Viertel, bestellt Stamppot oder Bitterballen und bringt alle bis 20 Uhr ins Bett. Morgen wird besser.
Tag zwei: Grachten, Fahrräder und ein Weltklasse-Zoo
Vormittag: Grachtenfahrt
Amsterdam hat über 100 km Grachten, und die Stadt vom Wasser aus zu sehen, gehört wirklich zum Besten, was ihr hier machen könnt. Eine klassische einstündige Grachtenfahrt kostet rund 17,00 € (ca. 19 $) pro Erwachsenem (für Kinder gibt es je nach Alter und Anbieter oft Ermäßigung oder freie Fahrt). Bucht vorab online und spart euch die Schlange, besonders im Sommer.
Die Boote werden in mehreren Sprachen kommentiert, an jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken, und – entscheidend – eine Stunde lang muss niemand laufen. Gewonnen.
Nachmittag: Artis Royal Zoo
Einer der ältesten Zoos Europas (gegründet 1838) und einer der schönsten. Artis ist mehr als ein Zoo: Dazu gehören ein Planetarium, ein Aquarium, ein Schmetterlingsgarten und Micropia, das Museum der Mikroorganismen – so seltsam und so wunderbar, wie es klingt.
Für eine vierköpfige Familie (zwei Erwachsene, zwei Schulkinder) rechnet mit etwa 110–125 € (ca. 123–140 $) für den Tag im Artis, inklusive kleinem Mittagessen im Café vor Ort. Kauft die Tickets online – das ist günstiger und ihr steht nicht am Eingang an.
Abend: mit dem Rad durch den Jordaan
Leiht euch Räder für den Abend! Die meisten Verleiher nehmen rund 17,50 € (ca. 20 $) pro Rad für 24 Stunden. Der Jordaan ist das hübscheste Viertel der Stadt, voller unabhängiger Läden, urgemütlicher brauner Kneipen und Bänke direkt an der Gracht. Wenn eure Kinder alt genug zum Radfahren sind (oder in ein Lastenrad oder einen Kindersitz passen), erlebt ihr das Viertel so am besten. Der Amsterdamer Verkehr wirkt vielleicht überwältigend, dabei gehört die Stadt zu den sichersten Fahrradstädten der Welt. Die Infrastruktur ist tadellos, die Autofahrer sind an Räder gewöhnt und die Stadt ist weitgehend flach – passt nur auf Touristen und Fatbikes auf.
Tag drei: Kunst, Geschichte und gutes Essen
Vormittag: das Rijksmuseum
Ihr müsst hier nicht den ganzen Tag verbringen (könnt ihr aber). Konzentriert euch auf die Highlights: die Nachtwache, Vermeers Milchmädchen, die Puppenhäuser. Das Museum macht richtig gutes Familienprogramm mit Führungen und Mitmachheften.
Tickets: 25,00 € (ca. 28 $) für Erwachsene. Kinder und Jugendliche unter 18 kommen kostenlos rein – was sich für Eltern, die sonst überall den vollen Preis zahlen, wie ein kleines Wunder anfühlt. Bucht vorab online, die Zeitfenster sind schnell weg.
Nachmittag: das Hausbootmuseum und ein Bummel durch den Jordaan
Das Hausbootmuseum an der Prinsengracht zeigt Kindern ganz greifbar, wie Amsterdammer tatsächlich auf dem Wasser leben. Der Eintritt kostet 9,50 € (11 $) pro Erwachsenem, Kinder von 3 bis 15 Jahren zahlen 5,00 € (6 $). Der Besuch dauert etwa 30–40 Minuten – perfekt für kurze Aufmerksamkeitsspannen.
Und dann: treiben lassen. Holt euch Stroopwafels vom Marktstand (etwa 1,50–2,50 €, 1,70–2,80 $ pro Stück). Haltet bei Winkel 43 für den Apfelkuchen, den viele für den besten der Stadt halten – ein Stück mit Sahne kostet rund 5,50 € (6 $). Setzt euch an eine Gracht. Lasst die Kinder die Enten füttern. Genau das kann Amsterdam am besten.
Abend: Abendessen in De Pijp
Der Albert Cuyp Markt in De Pijp läuft bis etwa 17 Uhr. Nehmt Hering, frische Stroopwafels oder niederländischen Käse mit. Zum Abendessen bietet das Viertel eine großartige Mischung aus indonesischen, surinamischen und niederländischen Restaurants – zu Preisen deutlich unter denen im touristischen Grachtengürtel. Rechnet mit 15–25 € (17–28 $) pro Erwachsenem für ein richtiges Abendessen; Kinderportionen gibt es fast überall.
Praktisches, das ihr wissen solltet
Kinderwagen und Mobilität: Amsterdams Kopfsteinpflaster und Kinderwagen werden keine Freunde. Eine Trage oder ein geländegängiger Buggy ist die deutlich bessere Wahl. Die meisten Museen und Attraktionen erreicht ihr per Aufzug, die Straßen selbst sind eine andere Geschichte.
Trinkgeld: In den Niederlanden gibt es nicht dieselbe Trinkgeldkultur wie in den USA. Aufrunden oder 5–10 % für guten Service passt völlig, 20 % erwartet niemand.
Lebensmittelallergien: Bei besonderen Ernährungsbedürfnissen ist Amsterdam stark. Die meisten Karten gibt es auf Englisch und das Personal ist Nachfragen gewohnt. Allergiehinweise nimmt man hier ernst.
Geld: In den Niederlanden zahlt ihr in Euro. Fast überall geht Karte, auch kontaktlos – etwas Bargeld für Märkte, kleinere Cafés und das eine oder andere Museumscafé ist trotzdem sinnvoll.
Amsterdam belohnt langsames Reisen – und genau das macht die Stadt ideal für Familien. Die Grachten geben Kindern ständig etwas zum Schauen, die Museen gehören zu den besten Europas für Lernen zum Anfassen, das Essen ist hervorragend, und weil alles flach ist, kommt ihr weiter, ohne dass gequengelt wird. Am ersten Tag beißt der Jetlag. Irgendwer wird garantiert wegen eines Stroopwafels weinen. Aber mit klugem Plan genießt ihr Amsterdam mit euren Kindern – und wollt ganz sicher wiederkommen.
Wer im The Social Hub Amsterdam City oder Amsterdam West übernachtet, wohnt mittendrin: gute Verbindungen, ein ordentliches Frühstück und genug soziale Energie, um die Erwachsenen daran zu erinnern, dass Reisen auch mit Kindern Spaß macht.